Spundwand und Schilf

Notizen vom Friedfischangeln an einem Kanal und einem See, über Futter, Posen, Jahreszeiten und den schonenden Umgang mit Fisch und Ufer.

Was ich vom Ufer mitnehme

Oktober 2026 · 2 Min. Lesezeit

Im vergangenen Herbst lief an der Steinpackung ein Blässhuhn herum, das ein Bein seltsam nachzog. Als es näher kam, sah ich eine Schlinge aus dünner Angelschnur um seinen Fuß, an der noch ein abgerissenes Stück Pose hing. Einfangen ließ es sich nicht, und ich weiß nicht, was aus ihm geworden ist. Seitdem gehe ich nach jedem Angeltag die zwanzig Meter Ufer um meinen Platz ab, auch wenn ich selbst nichts verloren habe. An einem Morgen in dieser Woche kamen dabei 14 Meter Schnur, sechs Haken, vier Bleie und zwei leere Madendosen zusammen.

Was sich an meinen Gewohnheiten geändert hat, passt in eine kurze Liste:

Beim Zurücksetzen gilt eine einfache Regel: Der Fisch ist so kurz wie möglich an der Luft. Bevor ich ihn kesche, liegt alles bereit: der Hakenlöser in der Brusttasche, die Matte nass, der Kescher im Wasser. Für Fotos halte ich keinen Fisch mehr in die Luft. Wenn überhaupt, mache ich eins vom Fisch im Kescher, solange er noch im Wasser liegt.

Jetzt im Oktober kommt am Kanal das Laub dazu. Es treibt in Teppichen an der Spundwand, legt sich über die Schnur und zieht die Pose unter. Wer dann ruppig anschlägt, reißt im Laub Haken und Blei ab, die am Grund liegen bleiben. In diesen Wochen fische ich deshalb mit etwas stärkerer Schnur und gehe lieber zehn Meter weiter, wo weniger Blätter treiben. Am Ende soll das Ufer so aussehen, als wäre ich nie da gewesen.