Spundwand und Schilf

Notizen vom Friedfischangeln an einem Kanal und einem See, über Futter, Posen, Jahreszeiten und den schonenden Umgang mit Fisch und Ufer.

Schleien im ersten Licht

Juli 2025 · 3 Min. Lesezeit

Schleien sind die Fische, für die ich im Sommer früher aufstehe als für alle anderen. Sie fressen am liebsten in der Dämmerung und den ersten Stunden danach, dicht an den Pflanzen, und verraten sich durch Bläschen: feine Perlen, die in kleinen Trauben aufsteigen, wenn ein Fisch im Schlamm nach Futter wühlt. Am ersten Juliwochenende stand ich um halb fünf am Seerosenfeld in der Südbucht. Die Luft war kühl, das Wasser mit 21 Grad deutlich wärmer, und über der Bucht lag dünner Nebel.

Gefischt habe ich mit der Liftmethode. Die Pose ist nur unten an der Schnur befestigt, ein einzelnes kräftiges Blei sitzt etwa sieben Zentimeter über dem Haken und liegt auf dem Grund. Die Pose stelle ich ein paar Zentimeter tiefer ein, als das Wasser tief ist, und ziehe die Schnur straff, bis nur noch die Spitze herausschaut. Hebt eine Schleie den Köder an, hebt sie auch das Blei, und die Pose steigt und legt sich flach aufs Wasser. Das ist der Moment für den Anschlag. Am Haken der Größe 12 steckten zwei Maiskörner, angefüttert hatte ich dicht an den Seerosen mit gekochtem Hanf, Mais und ein paar zerschnittenen Würmern.

Um zehn nach fünf stiegen neben der Pose Bläschen auf, eine halbe Stunde lang, ohne dass sich etwas tat. Dann hob sich die Pose um zwei Zentimeter und kippte um, und die erste Schleie hing, 38 Zentimeter, wie sich später zeigte. Sie zog sofort in die Seerosen, und die Schnur verfing sich in den Stängeln. Mit 0,16 Millimetern konnte ich kaum Druck machen, also habe ich die Rute abgelegt und gewartet. Nach gut zehn Minuten schwamm der Fisch von selbst heraus und ließ sich keschern. Ein Fisch, der mit Haken und einem Stück Schnur in den Pflanzen hängen bleibt, ist genau das, was ich vermeiden will.

Die zweite kam um sieben, 44 Zentimeter, olivgrün mit kleinen roten Augen und einer dicken Schleimschicht. Ich habe sie im Kescher im Wasser liegen lassen, die Abhakmatte nass gemacht, sie kurz darauf gelegt, den Haken gelöst und sie im flachen Wasser gehalten, bis sie von selbst davonschwamm. Um halb neun stand die Sonne auf der Bucht, die Bläschen hörten auf, und ich habe eingepackt.

Beim nächsten Mal nehme ich 0,22 Millimeter Hauptschnur und füttere ein paar Meter vor den Seerosen an, damit ein gehakter Fisch nicht sofort zwischen den Stängeln ist.