Spundwand und Schilf

Notizen vom Friedfischangeln an einem Kanal und einem See, über Futter, Posen, Jahreszeiten und den schonenden Umgang mit Fisch und Ufer.

Rotaugen bei vier Grad

Januar 2025 · 2 Min. Lesezeit

Im Winter ziehen sich die Fische im Kanal dorthin zurück, wo das Wasser ruhiger und etwas tiefer ist. Bei uns ist das ein Wendebecken, eine Ausbuchtung außerhalb der Fahrrinne, in der die Schiffe drehen. Heute war ich um halb acht dort. Auf der Spundwand lag Raureif, und das Thermometer, das ich an einer Schnur auf einen Meter Tiefe hinunterlasse, zeigte 4,2 Grad. Bei dieser Temperatur fressen Rotaugen wenig und langsam, und mit zu viel Futter macht man sie in zehn Minuten satt.

Gefischt habe ich mit der Stipprute auf acht Metern, wo das Lot 2,60 Meter ergab. Die Montage war so fein, wie ich es mir zutraue: eine schlanke Pose mit 0,5 Gramm Tragkraft, eine kleine Olive als Hauptblei, darunter zwei winzige Schrote, ein Vorfach von 0,08 Millimetern und ein Haken der Größe 20 mit einer einzelnen Made. Der Köder lag knapp auf dem Grund, das unterste Schrot schwebte ein paar Zentimeter darüber.

Angefüttert habe ich zu Beginn zwei mandarinengroße Bälle aus dunklem Futter mit gesiebter Gartenerde und einer Handvoll Maden. Danach gab es alle zehn Minuten nur zehn bis fünfzehn Maden, mit der Hand genau über die Pose geworfen. Den ersten Biss habe ich nach fünfzig Minuten bemerkt, und er war kaum zu sehen: Die Antenne tauchte nicht ab, sondern hob sich um zwei Millimeter. Ein Rotauge hatte den Köder angehoben und damit das unterste Schrot entlastet. Solche Hebebisse sind im kalten Wasser häufig, und vermutlich hatte ich vorher schon zwei davon für Wellen gehalten.

In vier Stunden waren es elf Rotaugen zwischen 12 und 19 Zentimetern und zwei Güstern. Alle gingen nach einem kurzen Blick zurück, ohne lange an der Luft zu sein: mit nasser Hand halten, den Haken mit dem Hakenlöser lösen, wieder hinein. Meine Finger waren nach drei Stunden so steif, dass ich länger am Haken herumfummelte als nötig. Ab jetzt liegen Handschuhe in der Kiepe, deren Fingerkuppen sich umklappen lassen.

Was ich beim nächsten Mal anders mache: die ersten zwanzig Minuten gar nicht nachfüttern und die Pose so austarieren, dass nur ein Millimeter Antenne herausschaut. Dann fällt auch ein Hebebiss sofort auf.