Spundwand und Schilf

Notizen vom Friedfischangeln an einem Kanal und einem See, über Futter, Posen, Jahreszeiten und den schonenden Umgang mit Fisch und Ufer.

Posen austarieren in der Badewanne

März 2026 · 3 Min. Lesezeit

Im März ist es abends noch zu kalt und zu früh dunkel, um nach der Arbeit ans Wasser zu fahren, also bereite ich zu Hause das Frühjahr vor. Diesmal waren die Posen dran, zwölf Stück, von der schlanken Winterpose mit 0,5 Gramm bis zum Waggler mit 6 Gramm. Auf jeder steht eine Tragkraft, und ich wollte wissen, ob sie stimmt. Dazu kommt die Pose an einem Stück Schnur in die halb volle Badewanne, und ich klemme so lange Schrotblei an, bis nur noch die Spitze der Antenne aus dem Wasser schaut.

Bei fünf von zwölf Posen lag die tatsächliche Tragkraft deutlich neben der aufgedruckten. Eine 2-Gramm-Pose trug 2,4 Gramm, eine mit 1 Gramm nur 0,8. Das klingt nach wenig, aber bei einer feinen Montage entscheidet ein Schrot mehr oder weniger, ob die Antenne zwei Millimeter herausschaut oder ganz verschwindet. Die ermittelten Werte habe ich mit wasserfestem Stift auf den Körper jeder Pose geschrieben, die passende Bleiverteilung steht als Reihe von Schrotgrößen in meinem Heft.

Wie viel Antenne stehen bleibt, hängt vom Wasser ab. Bei Windstille am See reichen ein bis zwei Millimeter, dann wird jeder Biss sichtbar. Am Kanal mit den Wellen der Schiffe lasse ich eher fünf Millimeter stehen, sonst taucht die Pose bei jeder Welle ab, und ich schlage ins Leere. Dort nehme ich außerdem kräftigere Posen mit mehr Tragkraft, die nicht gleich abtreiben, wenn der Sog sie zur Seite zieht.

Beim Sortieren kam mir noch etwas in den Sinn, das ich im letzten Sommer gelernt habe. Ich hatte immer orange Antennen benutzt, weil sie im Laden am auffälligsten wirken. Auf dem Wasser hängt die Sichtbarkeit aber vom Hintergrund ab: Vor dunklem Wasser im Schatten der Bäume leuchtet Orange, vor einer hellen Spiegelung des Himmels verschwindet es fast. Dort sieht man eine schwarze Spitze besser. Inzwischen liegen in der Kiste vier Posen mit wechselbaren Antennen und dazu Spitzen in Schwarz und Orange.

Für das Loten im April ist alles vorbereitet: zwei Lotbleie, die man an den Haken klemmt, und eine Skizze des Kanalprofils vom letzten Jahr mit der Steinpackung bei einem Meter, der Kante bei 2,90 Metern und der Fahrrinne bei vier Metern.