Spundwand und Schilf

Notizen vom Friedfischangeln an einem Kanal und einem See, über Futter, Posen, Jahreszeiten und den schonenden Umgang mit Fisch und Ufer.

Laichende Brassen, ein anderer Platz

Mai 2025 · 2 Min. Lesezeit

Als ich am Samstag um halb sechs an den See kam, hörte ich es schon vom Weg aus: ein Klatschen und Schwappen im Schilf, unregelmäßig, mal hier, mal dort. Die Brassen laichten. Im flachen Wasser vor dem Schilfgürtel sah man ihre dunklen Rücken, manche Fische lagen fast auf der Seite und schoben sich durch die Halme. Bei einem, der dicht am Ufer vorbeizog, waren die weißen Knötchen auf Kopf und Rücken zu erkennen, die die Männchen zur Laichzeit tragen. Das Wasser hatte an der Oberfläche 17,5 Grad.

Mein Stammplatz liegt genau dort, an einer Lücke im Schilf. Ich bin deshalb 150 Meter weitergegangen, an eine Stelle mit festem Ufer, an der der Grund schnell auf drei Meter abfällt. Ein laichender Fisch frisst kaum, und selbst wenn er zufällig einen Haken nimmt, gehört er in dieser Woche nicht in einen Kescher. Dazu kam ein Haubentaucherpaar, das zwanzig Meter neben meinem Stammplatz ein schwimmendes Nest ins Schilf gebaut hatte. Mit Rute, Kescher und Futterbällen direkt daneben wäre das für die beiden ein langer, unruhiger Morgen geworden.

Am neuen Platz habe ich mit der Matchrute und einem Waggler mit 4 Gramm gefischt, auf etwa 25 Meter Entfernung, wo das Lot 3,20 Meter ergab. Angefüttert habe ich 1,5 Kilo Futter mit einer Dose Mais und einer Handvoll Caster darin und in kleinen Bällen nachgelegt, sobald die Bisse nachließen. Bis zehn Uhr waren es 22 Fische, Rotaugen und Rotfedern bis 24 Zentimeter, und keine einzige Brasse. Das passt zu dem, was im Schilf los war.

Zum Schluss blieb etwa ein halbes Kilo angemachtes Futter übrig. Früher hätte ich es zum Abschied ins Wasser gekippt. Inzwischen nehme ich die Reste mit, trockne sie zu Hause auf einem Blech und mische sie beim nächsten Mal unter. Ein halbes Kilo Futter, das am Grund liegen bleibt und gärt, braucht ein flacher See im Frühsommer nicht.

Auf dem Heimweg habe ich aus sicherer Entfernung nach dem Nest geschaut. Ein Altvogel saß darauf, der andere tauchte in der Bucht. An den Stammplatz gehe ich erst zurück, wenn im Schilf wieder Ruhe ist und die jungen Haubentaucher auf dem Rücken der Eltern mitfahren.