Spundwand und Schilf

Notizen vom Friedfischangeln an einem Kanal und einem See, über Futter, Posen, Jahreszeiten und den schonenden Umgang mit Fisch und Ufer.

Futter, das am Grund ankommt

Oktober 2025 · 3 Min. Lesezeit

Am Kanal hat das Futter eine Aufgabe, die es am See nicht hat: Es muss durch drei Meter Wasser, das nicht stillsteht. Jedes größere Schiff zieht das Wasser am Ufer erst ein Stück weg, an der Spundwand sinkt der Pegel sichtbar, und dann schiebt es alles als Schwall zurück. Ein zu locker gebundener Ball zerfällt auf halbem Weg, und die Wolke treibt davon. Ein zu fester liegt dagegen stundenlang als Klumpen am Grund und lockt nichts an.

Meine Herbstmischung stelle ich selbst zusammen, für einen Angeltag etwa ein Kilo Trockenmasse: die Hälfte Paniermehl, ein Viertel Maismehl, der Rest gemahlener Hanf und fein gemahlene Haferflocken. Dazu kommen 300 Gramm gesiebte, leicht feuchte Gartenerde, die das Futter schwerer macht und bindet. Erst trocken gut durchmischen, dann das Wasser in drei Portionen zugeben und dazwischen jeweils zehn Minuten ziehen lassen. Paniermehl saugt lange nach, und ein Futter, das nach fünf Minuten genau richtig scheint, ist nach zwanzig oft zu trocken. Zum Schluss streiche ich alles durch ein Sieb mit vier Millimetern Maschenweite, damit keine Klumpen bleiben.

Geprüft wird zweimal. In der Hand: Ein Ball, mit mittlerem Druck geformt, muss einen Wurf aus dem Handgelenk überstehen und zerfallen, wenn ich mit dem Daumen fest hineindrücke. Im Eimer: Ich lasse einen Ball in Kanalwasser fallen und sehe zu, wie lange er braucht, bis er aufbricht. Ein bis zwei Minuten sind mein Ziel. Im Herbst kommen danach Caster und gehackte Würmer in die Bälle, weil die Fische bei sinkender Temperatur eher etwas Festes suchen als eine Wolke.

Mein häufigster Fehler war zu viel Wasser auf einmal. Das Futter wurde schmierig, die Bälle klebten wie Lehm, und bei einem Versuch an einer flachen, klaren Stelle lagen sie noch nach einer Stunde unversehrt am Grund. Seit ich das Wasser mit einem Messbecher abmesse und die Menge notiere, sind die Ergebnisse gleichmäßiger: auf ein Kilo meiner Mischung etwa 450 Milliliter.

Heute lagen sechs Bälle auf der Kante bei 2,90 Metern, die erste Brasse kam nach vierzig Minuten. Bis Mittag fuhren elf Schiffe vorbei, und nach jedem Schwall stand die Pose wieder über dem Futter.